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  Island of Wish
 
Siipien - Island of Wish

Die Spätsommersonne schien warm auf die trockene Erde, welche steinhart aneinander backte.

 Alice Rose, ein Mädchen im Alter von jungen sechzehn Jahren, döste friedlich unter einem Apfelbaum, während die leichten Strahlen ihre braunen Haare und die einfache Bauernkleidung beleuchteten.

 Langsam öffnete sie ihre Lieder und brachte somit funkelnde smaragdgrüne Augen zum Vorschein.

 Alice brauchte ein paar Sekunden, um sich zu erinnern, wo sie eigentlich war. Seit ihrem Unfall vor vier Jahren hatte sie ein sehr schlechtes Kurzzeitgedächtnis, was ihr oftmals zum Verhängnis wurde.

 Damals war sie bloß ausgerutscht und den Berg, auf welchen die kleine Holzhütte stand, die ihre Familie bewohnte, hinuntergerollt; anschließend hart gegen einen Baumstamm gestoßen, was ihr das Bewusstsein und somit sämtliche Erinnerung raubte.

 Während sie so da lag und die Abendsonne beobachtete, wie diese langsam hinter den Wäldern am Horizont verschwand, kam es ihr vor, als sei dieses Ereignis vor ein paar Jahrhunderten passiert. Ein Erlebnis, welches man sonst in greifbarer Nähe hatte, entfernte sich von Sekunde zu Sekunde; als würde es auf einer Eisscholle davon treiben.

 Die abgeernteten Felder streckten sich in die endlose Länge, sodass Alice weit und breit bloß Acker sah.

 Mit leisem Gesang huschten winzige Vögel an ihr vorbei und hinterließen ein Gefühl von Freiheit.

 Schließlich schweifte ihr Blick auf die kleine Rolle Pergament, welche auf ihrem Schoß ruhte und sie völlig vergessen hatte – was bei ihrem Gedächtnis aber nicht verwunderlich war.

 Zögernd zog Alice eine antikweiße Feder hinter ihrem Ohr hervor, worauf die schwarze Tinte an der Spitze hinunter tropfte und Flecken auf ihrer Kleidung hinterließ.

 Alice setzte die Feder an und schwang ihre Hand leicht und schwungvoll über die Rolle; die Tinte sickerte durch die einzelnen Fasern und breitete sich zunehmend aus.

 Sie selbst wusste nicht, was sie überhaupt zeichnete. Ihr Herz leitete ihre Bewegungen und schaltete die überflüssigen Gedanken aus. Nach unzähligen Strichen wusste sie, welches Bild tief in ihr drin war: der Sonnenuntergang, wie er all das Land beschien, wundervoll und zugleich auch magisch auf deren Bewohner wirkte.

(Auszug aus Kapitel 1)

 
   
 
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